Hornkraut – Efeu – Gartenzwerge: Der obere Garten

Wenn man ein Haus im Zustand unseres Hauses kauft, schaut man sich das versammelte Elend an und weiß, man muss was machen. Da das Elend unseres Hauses aber schon groß genug ist, bleibt der Garten bei den Planungen außen vor. Zumal mein Mann sich auf den Standpunkt „Du wolltest ja einen Garten“ zurückzieht. Bei dem Geld, das wir ins Haus versenken, ist ums Haus keinerlei Etat vorgesehen.

Pflanzringe, Efeu, Hornkraut, es ist zum Davonlaufen. Es gibt tatsächlich Rosen, die überlebt haben, sie dürfen bleiben.

In jeder freien Minute buddle ich mich deshalb ums Haus, schneide Pflanzen zurück, entferne Unkraut und Unerwünschtes. Mit Abstand am schwierigsten gestaltet sich der obere Garten Richtung Weinberg. Vermutlich hatte irgendjemand Efeu gepflanzt um die (hässliche) Mauer zu begrünen. Efeu hat nur leider die Angewohnheit, Ausläufer zu bilden, die sich immer neu verwurzeln und immer stärkere Zweige zu bilden. Jeder, der schon einmal Efeu an der Fassade hatte, weiß wovon ich rede. Über das rund 20 cm hohe, dicht verwachsene Efeu hatte sich Hornkraut ausgebreitet, eine enorm verbreitungsstarke Steingartenpflanze, schlimmer als manches Unkraut, von dem es natürlich auch Massen gibt.

Unter den Efeumassen und den kaputten Buchshecken kommen über 60 Pflanzringe und ein durchgefaulter Zaun zum Vorschein.

Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als in jeder freien Minute Meter für Meter den Garten zu beackern. An den Wochenenden stelle ich mir den Wecker auf fünf Uhr und arbeite, bis es zu heiß wird. Die Nachbarn haben alle Mitleid. Um die Rosen, die wundersamerweise überlebt haben, arbeite ich mich vorsichtig herum und trage trotzdem böse Kratzer davon. Autoladungen an Grünzeug fährt mein Mann auf den Häckselhof.

 

Vor der Neubepflanzung müssen wir mühsam den Hang wieder flacher ziehen, nachdem über 60 Pflanzringe endlich neue Besitzer gefunden haben.
Wir versuchen, den Hang so flach wie möglich zu bekommen. Überflüssige U-Steine werden verschenkt.

Der jahrelang brachliegende Boden ist steinhart, das Umgraben ist nachher mindestens so anstrengend wie das Efeu entfernen. Der Hausherr hat immerhin Mitleid und hilft. Gemeinsam versuchen wir, dem Hang eine neue Form zu geben, ohne die schönen alten Rosen und Pfingstrosen vollends zu ruinieren.

Der Plan ist ein südlicher Staudengarten, der auch im Winter ansprechend aussieht und irgendwann pflegeleicht ist.

Ich habe so eine ungefähre Vorstellung davon, wo ich hin will, aber viel zu wenig Wissen. Ich verlasse mich darauf, dass die Rosen, die meine Vorgängerin überlebt haben, auch mich überleben werden und lasse mir und dem Garten Zeit. Nur hinter dem Unkraut bin ich her wie die Feuerwehr. Gefühlt robbe ich von Frühling bis Herbst bäuchlings ums Haus auf der Jagd nach dem nur langsam weniger werdenden Unkraut. Unkrautvernichter verwende ich nur ein Mal im Bereich vor dem Wintergarten, denn ich kann einfach nicht mehr und die Efeuschichten sind wahnsinnig hoch.

Die Rose an der Terrasse hat es gerade so geschafft, in der Brache zu überleben. Die Pflege und die Luft dankt sie mir mit jährlichem Blütenreichtum. Nebenan habe ich aus Ablegern eines Nachbarn eine winterharte Feigenhecke gezüchtet.
Statt Hornkraut leuchten im Frühling Tulpen, Traubenhyazinthen und viel frisches Grün

 

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